1200 Höhenmeter ist mein Glück entfernt

In meinen beiden Beiträgen Steiniger Weg zur Gotzenalm (Nationalpark Berchtesgaden) und Gotzenalm, Obersee und Königssee habe ich euch bereits von meiner spannenden Wanderung in Oberbayern berichtet. Der Nationalpark Berchtesgaden bietet zweifelsohne eine atemberaubende Kulisse, die es wahrlich wert ist, ihr einen Besuch abzustatten. Meine Auswahl an unzähligen wunderschönen Fotos, in denen ich versucht habe die durchwanderte Natur festzuhalten, bewogen mich dazu, einen weiteren Beitrag zu verfassen, in dem ich nicht nur mein Bildmaterial mit euch teilen möchte, sondern auch meine verarbeiteten Gedanken in Worte zu fassen versucht habe.

Was ist wandern ?

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Eine Wanderung hat für mich nicht nur den Sinn, sich körperlich zu verausgaben und somit seiner Figur etwas Gutes zu tun. Eine Wanderung ist auch nicht nur dazu da, seine Heimat, die umliegende Landschaft und deren Natur kennen zu lernen. Eine Wanderung ist, vor allem wenn sie mehr als 2 Stunden dauert, und sich der Gesprächsstoff mit den Wanderkollegen allmählich dem Ende neigt, auch immer eine Reise zu sich selbst.

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Warum wandern ?

In einem gehetzten Alltag tut es ab und zu gut, sich eine Auszeit zu nehmen und einfach mal nur durchzuatmen. Durchzuatmen und seine Gedanken fliegenzulassen. Gedanken die im Alltag zwar vielleicht keinen Platz finden, jedoch von unserem Alltag maßgeblich beeinflusst werden und unser Tun und Handeln unterbewusst steuern.

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Während ich so vor mich hinstampfte, wurde mir bewusst: im Leben wird einem nichts geschenkt. Für alles muss man arbeiten und manchmal muss man eben auch darum kämpfen. So musste ich mir bei dieser Wanderung das befreiende Gefühl der Erleichterung erst erkämpfen, in dem ich tapfer einen Fuß vor den anderen setzte, auch wenn mich die letzten Kräfte schon zu verlassen drohten. Zwischendurch habe ich mich selbst gefragt, was mich dazu bewogen hat, mich bei dieser weiten und anstrengenden Wanderung derart abzumühen. Vielleicht hätte ich lieber zu Hause bleiben sollen. Meine Beine waren mehr als erschöpft, an beiden Fersen schmerzten mich offene Blasen Schritt für Schritt, der Rucksack schnürte sich in meine Schultern. Doch all dies war vergessen als ich letzten Endes atemberaubende Blicke auf den Obersee und den Königsee, umringt von Bergen und dem Wasserfall erhaschen konnte.

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Stillleben „Wandern“

So ruhig und klar wie die Landschaft vor mir lag, genoss ich die Stille mitten am Berg. Nur die Vögel zwitscherten, ein paar Insekten flogen an meinem Ohr vorbei. Die Haut bruzelte förmlich in der warmen, nein eigentlich sogar heißen Frühlingssonne. Ein Foto nach dem anderen habe ich geschossen, um ja alles rings um mich einzufangen. Doch so schön die Fotos für einen Außenstehenden auch zu betrachten sein mögen, keines dieser digital festgehaltenen Erinnerungen konnten weder mein unfassbares Glück, welches ich in dieser Situation verspürte, noch das tatsächliche 360° Panorama einfangen. Ein Foto kann seinem Betrachter noch so gut gefallen, steckt in dem Bild doch so viel Verborgenes, welches für immer ein Geheimnis des Fotografen bleiben wird.

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Zum Glück wandern

Mein Leitspruch für das Jahr 2017 ist: Verlasse deine Komfortzone – nur so kannst du dein eigenes Glück finden. Glück ist nicht nur ein sehr individueller Begriff, er wächst und verändert sich auch mit jeder Stunde deines Lebens. Für mich, an diesem Wochenende, war der Begriff eng verbunden mit Mühen, physischen Schmerzen und psychischen Grenzen. Dies erinnert mich stark an Yin und Yang. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. So wie der Tag die Nacht braucht um wieder zum Tag zu werden, musste ich zuerst dem Zittern meiner Knie standhalten und mich mental selbst bestärken, um am Ende der Wanderung aus dem Gefühl der Erleichterung und Zufriedenheit erneut Energie zu schöpfen. Am Königsee angekommen fühlte ich mich plötzlich stärker als je zuvor und zugleich wurde alles rund um mich ganz leicht. Mein Körper fühlte sich an wie eine Feder, die vom Wind davon getragen wird und unbeschwert das Ziel ihrer Reise erreicht. Ein Gefühl der Freude machte sich in mir breit und zauberte mir ein Lächeln der Erleichterung ins Gesicht. Nichts hätte mich in diesem Moment aus der Fassung bringen können. Im Nachhinein hat sich, wie schon am ersten Tag der Wanderung auch, jeder einzelne Schritt und tat er noch so weh, gelohnt.

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Wandern, Mut und Erfolg

Am Ende dieser 2 Tages-Tour war ich körperlich erschöpft. Erschöpft und überglücklich. Hätte ich vor der Wanderung gewusst wie anstrengend sie wird, wäre ich vermutlich nicht mit meinen Freunden mitgegangen und hätte schon ohne es probiert zu haben, aufgegeben. Aber genau das ist der Punkt. Jeder Mensch sollte lernen nicht aufzugeben und somit am Ende über sich selbst hinauswachsen. Allzuoft werfe ich kurz vor meinem Ziel alles über Bord, weil ich mir selbst keinen Erfolg zutraue. In diesem Fall jedoch, bei meiner Wanderung durch das Berchtesgadener Land, konnte ich nicht aufgeben. Ich konnte mich nicht einfach mitten am Berg hinsetzen und warten bis ich von alleine runter schwebe. Nein, ich musste all meine Kräfte zusammenpacken und weiter marschieren.

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Wieder im Tal angekommen durfte ich erfahren, dass ich viel stärker bin als ich es mir selber je zugetraut hätte. Ja es ist möglich über sich selbst hinauszuwachsen. Das Erweitern der eigenen Grenzen gibt einem ein Gefühl der Freiheit und Selbstbestimmung. Das Leben ist ein Lernprozess in dem sich selbst kennen lernen und weiterentwickeln sowie sich selbst auch ab und zu überholen sollte.

Wandernd Erkenntnis erlangen

Die Kunst ist vermutlich, falls man mal vor einer verschlossenen Türe im Labyrinth steht und links und rechts der Blick die Tiefen des Abgrunds erahnen lässt, sich zu trauen die wackelige Brücke von nebenan zu beschreiten. Denn nicht immer führt ein einfacher Weg durch eine offene Tür ans Ziel. Manchmal erfordert es etwas Mut den fremden, neuen Weg, in seiner Gestalt als ungesicherten wackeligen Brücke, zu betreten und mit Hilfe derer den dunklen Abgrund zu überqueren. Doch möglicherweise ist am anderen Ende der Brücke das Licht wärmer, die Sonne strahlt heller und das Ende des Labyrinths liegt spürbar nahe. Ganz sicher jedenfalls lässt einen sein Blick stolz zurückblicken, geschafft zu haben, was man nie für möglich gehalten hätte.

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